Start-up and Find-out

Match Days machen Mut zu MINT und Lust auf Zukunft

 08. Februar 2021, Text: Deike Uhtenwoldt


Virenattacken täglich und überall, in der Europäischen Arzneimittelagentur, der US-Regierung und selbst in einer IT-Sicherheitsfirma: „Der Schaden ist hoch, im Schnitt verliert man in Deutschland eine Million Euro – mal abgesehen vom Ruf“, unterstreicht Matthias Vallentin die Bedeutung der Cybersicherheit. Der Informatiker hat eine Software mitentwickelt, die Hackerangriffe effizienter erkennen kann. In diesem Fall präsentiert der Gründer allerdings nicht vor Investoren oder Unternehmern, sondern vor Jugendlichen, die sich aus ganz Hamburg zu den Match Days, der ersten Streaming-Konferenz für MINT-Oberstufenprofile zugeschaltet haben. Für den Schwerpunkt „Start-up & KI“ ist auch das Chemie-Wirtschaftsprofil der Stadtteilschule Walddörfer dabei: „Ein Start-up zu gründen, ist für einige von uns durchaus eine Option“, sagt Jan-Niclas.


Mit Sicherheit gründen  
Der Abiturient kümmert sich an diesem Vormittag um die Technik: „Wir haben uns mit viel Abstand in einen großen Raum gesetzt, über das Smartboard die Konferenz abgerufen und am Rechner über die Slido-App unsere Fragen gesammelt.“ Nach Vallentins Vortrag möchte der 19-Jährige wissen, ob Schulserver in wohlhabenderen Hamburger Stadtteilen, etwa von Privatschulen, besonders geschützt werden müssten: „Da sind ja auch die persönlichen Daten der Schüler hinterlegt, das könnte doch für Hacker von Interesse sein“, mutmaßt Niclas. Nur: Er ist nicht der einzige Schüler mit einer Frage an den Gründer und Sophia, studentische Mitarbeiterin der Initiative NAT hinter den Match Days, kann in 15 Minuten unmöglich alles berücksichtigen, was ihr das Interaktionstool Slido übermittelt. Indirekt aber antwortet Vallentin sehr wohl: „Es ist die Frage, wo kriegt man am meisten für seine Zeit, die man als Hacker investiert.“  


Mit Berufsperspektive ins Abi
Drei Gründer und eine Gründerin, zwei Anwendungen für Künstliche Intelligenz und jede Menge Anregungen zu Studium und Praxis lernt das Walddörfer Oberstufenprofil an seinem Match Day kennen – und nach gut fünf Stunden Konferenz ist die Luft bei den Jugendlichen raus. Zwar bestünde noch die Möglichkeit am Nachmittag in digitalen Videokonferenzräumen Ausbilder und Studiendekane zu befragen, aber das hat Niclas schon am Vortag wahrgenommen. Da ging es um den Schwerpunkt „Clean Tech“ und der passte haargenau zu den Berufsplänen des Abiturienten: „Ich wollte schon immer zu Aurubis und nutze jede Möglichkeit, mich da vorzustellen und mehr zu erfahren.“ Etwa zu den Übernahmechancen nach einer Ausbildung als Chemikant oder Chemielaborant und der Zusammenarbeit mit der Forschung & Entwicklung des Kupferproduzenten: „Das Gespräch hat mich in meinen Plänen bestärkt“, betont Niclas im Rückblick.  


Mit Social Media punkten  
Aktuelle Forschung, Praxischancen und Studieninhalte an MINT-Schüler vermitteln, denen pandemiebedingt Exkursionen und Praktika verwehrt werden, das ist die Idee der Match Days. Für Niclas ist sie voll aufgegangen. Was nicht bedeutet, dass man es nicht besser machen könnte: „Man sollte die Expertenvorträge auf zehn Minuten kürzen, dann hat man eine halbe Stunde für die Interaktion mit den Schülern.“ Zudem rät der Walddörfer zu mehr Präsenz in den sozialen Medien, die auch die NAT-Zielgruppe nutzt, wie Instagram oder Snapchat: „Aktiv sein, den Logarithmus nutzen – dann würden auch viele Schüler von sich aus an den Match Days teilnehmen.“ Informatik-Profilschüler seiner Schule haben das am Tag von „Start-up & KI“ bereits getan und mehr als nur Kekse mitgenommen, erzählt Niclas: „Das hat uns eine Perspektive gegeben.“