KURZINTERVIEW DR. FABIAN ZIEGLER

Hamburg, im Juni 2021

 

In seinem Vortrag und anschließendem Key-Gespräch sprach Dr. Fabian Ziegler, Geschäftsführer der Shell Deutschland GmbH, über die Verantwortung und den Beitrag von Shell zur Erreichung Klimaneutral 2045 in Deutschland. In einem kurzen Interview stellt er sich Fragen von Schülerinnen und Schülern. 

 

Foto: Dr. Ziegler im Gespräch mit Leonie und Mursal

Lieber Herr Dr. Ziegler, "Bio-basiert" oder "natürlich" bedeutet nicht automatisch biologisch abbaubar oder gar CO2-neutral. Inwiefern versuchen Sie "Greenwashing" Einhalt zu gebieten?

 

Dr. Ziegler: Wir wollen jedem Kunden, der zu uns kommt, ein passendes Angebot machen, sei es in Form emissionsfreier oder emissionsreduzierter Energien. Wenn es dem Kunden nicht anders möglich ist, auch in Form freiwilliger CO2-Kompensation. Wir streben in jedem Falle echte Emissionsreduktionen an, die wir entweder selbst direkt messen/berechnen – oder wir setzen auf strenge Zertifizierungssysteme, z.B. Verified Carbon Standard (VCS) für Klimaschutzprojekte. Wir verstehen, wenn einige Kritiker meinen, CO2 müsse ausschließlich an der Entstehungsquelle vermieden/reduziert werden. Manchen Kunden ist dies aber nicht möglich, von daher ist CO2-Ausgleich aus unserer Sicht auch eine relevante Handlungsoption.

 

Was halten Sie vom Einsatz der Methanol Brennstoffzelle im Bereich der Mobilität? 

 

Dr. Ziegler: Methanolbrennstoffzellen sind technisch möglich. In China wird Methanol als Kraftstoff verwendet, allerdings auf Basis Kohle und damit verbunden mit sehr hohen CO2-Emissionen. Allerdings kann Methanol auch aus Biomasse oder Müll hergestellt werden. Shell baut gerade eine Anlage dazu in Kanada. Methanol kann in einer Brennstoffzelle zur Erzeugung von Strom verwendet werden, oder aber auch in Verbrennungsmotoren. Bisher wird Methanol nicht als Kraftstoff im Mobilitätsbereich verwendet (zzt. nur als geringe Zumischung im Ottokraftstoff zulässig), da hiermit sowohl im Motor als auch in der Brennstoffzelle CO2 entsteht. Die europäische Gesetzgebung bevorzugt aber Energieträger, welche im Fahrzeug kein CO2 erzeugen, also Strom im BEV (Batteriebetriebenes Elektrofahrzeug) oder Wasserstoff in Brennstoffzellenfahrzeugen. Schließlich ist zu beachten, dass Methanol giftig ist, so dass beim Tanken sehr sorgfältig gehandelt werden muss.

 

Welche Bedeutung hat die Politik in der aktuellen Diskussion? Welche Forderungen stellen Sie an die Politik für eine wirtschaftsorientierte Lösung des Klimaproblems?

 

Dr. Ziegler: In der Sprache der Ökonomen: Beim Klimaproblem handelt es sich um so genanntes Marktversagen. Alle Menschen bzw. Wirtschaftsakteure nutzen die Atmosphäre, in dem CO2-Emissionen, die bei der Verbrennung von fossilen Energien entstehen, dort deponiert werden. Immer mehr CO2 in der Atmosphäre führt zur Erderwärmung. Dem Verursacherprinzip folgend sollte die Politik die Emission von CO2 mit einem Preis belegen, und zwar möglichst weltweit und über alle Sektoren. Darüber hinaus wird es notwendig sein, dass die Politik die neuen noch teureren Technologien auch fördert, zumindest in der Einführungs- /Markthochlaufphase. Last but not least ist es Aufgabe von Politik, politische Mehrheiten zu organisieren: Wir benötigen breite gesellschaftliche Unterstützung, um den Klimawandel erfolgreich zu bekämpfen.